ADI DA SAMRAJ

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Geometrie und
„Sichtweise”


Die Notwendigkeit der Bedeutung

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DIE NOTWENDIGKEIT DER BEDEUTUNG UND DIE BETEILIGUNG DES BETRACHTERS

von Adi Da Samraj

Bedeutung durchbricht Mauern, und letztlich transzendiert sie jegliches Denken. Ich spreche also nicht nur über konventionelle Bedeutung oder konventionelle Wirklichkeit.

In meinem Bildschaffen ist Bedeutung ein grundlegender Aspekt. Wie abstrakt auch immer ich ein Foto verwende, die von Natur aus bestehende Bedeutung der im Foto eingefangenen Wirklichkeit ist von grundlegender Wichtigkeit. Sie ist jedoch nicht konventionell, hält sich nicht strikt an die Abbildung.

Ich bin nicht daran interessiert, irgendeine „Sichtweise“ einzunehmen, sondern die „Sichtweise“ als solche zu transzendieren – also auch die Kamera selbst als die Maschine, die die „Sichtweise“ herstellt. Auf diese Weise transzendiere ich  gleichzeitig die „Sichtweise“ des Betrachters.

Echte Teilnahme an meinen Bildern verlangt vom Betrachter, dass er alle „Sichtweisen“ und Gedanken aufgibt, in denen er sonst gefangen ist. Wer nur analysiert, sich nicht auf wirkliche Teilnahme einlässt und folglich nicht über das „Selbst“ hinausgeht, bleibt auf seine „Sichtweise“ beschränkt – bleibt unberührt.

Ich will damit nicht sagen, es sei völlig unangemessen oder wertlos, sich bewusst mit Bildern auseinanderzusetzen. Bilder genauer zu prüfen und zu bewerten, ist eine gute Sache. Aber bloßes Analysieren ohne innere Beteiligung ist unangemessen. Es ist ein grundlegender Aspekt des unerleuchteten, unfreien, egoischen Zustands.

„Sichtweise“ ist Ego. Und „Sichtweise“ ist kein bloßer Sachverhalt, sondern ein Handeln. Über diese Unfreiheit und Begrenzung hinauszugehen, genau darum geht es im Prozess der Erleuchtung und der fühlenden Teilnahme an den Bildern, die ich mache. „Sichtweise“ kann die Wirklichkeit nicht begreifen. Alle Erklärungsversuche der „Sichtweise“ sind grundlegend falsch – sie haben bestenfalls lokale, private, alltägliche Bedeutung.

Wirkliches Verstehen meiner Bildkunst hat nichts damit zu tun, sie durch Analysieren oder Sezieren erklären oder begreifen zu wollen. Der Betrachter versteht sie nur dann, wenn er mit fühlender Teilnahme über das begriffliche Denken hinausgeht.

In diesem Prozess stößt man auf alle möglichen Inhalte und Bedeutungen, aber letztlich geht man über alles hinaus. Ich will damit nicht sagen, dass Kunst bedeutungslos wie ein Stück Tapete werden soll. Die volle Teilnahme an meiner Bildkunst geht über alle „Bedeutung“, allen „Sinn“ hinaus – und zwar in einer Weise, die sich letztlich nicht beschreiben lässt.

(Bislang unveröffentlichter Kommentar)

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