ADI DA SAMRAJ

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Die Kunst der Moderne und ihre Nachwirkungen

Der ursprüngliche Kern der Modernen Kunst


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DER URSPRÜNGLICHE KERN
DER MODERNEN KUNST

von Adi Da Samraj

Im späten 19. Jahrhundert begann eine neue Art des Bildschaffens. Sie wurde im Wesentlichen von Cézanne eingeleitet und besonders von Picasso weiterentwickelt, aber auch von vielen anderen, darunter den Kubisten und denen, die noch weitergingen – und sie endete etwa 1950 beziehungsweise mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Die verheerenden Auswirkungen des Kriegs in Europa unterbrachen die Arbeit vieler Künstler, die ihre Bilder in dieser neuen, freieren Form schufen, und die Bewegung wurde in Amerika fortgesetzt, doch ganz anders und mit anderen Zielsetzungen.

Cézanne schuf seine Bilder im Stil des Impressionismus, aber dieser enthielt für ihn nicht genug Struktur, sondern drückte in erster Linie die Reaktion des Auges auf Farbe aus. Er wollte eine Kunst entwickeln, die der Klassik näherstand, für die die Struktur von grundlegender Bedeutung war. Er war der Auffassung, dass die Natur bei genauerer Betrachtung aus Zylindern, Kugeln und Kegeln bestand. Daran richteten sich Cézanne und andere aus, jeder auf seine Weise, aber immer mit diesen grundlegenden Strukturen als Ausgangsbasis für ihre Bilder. Sie bildeten die Grundlage für den künstlerischen Stil, der sich seit Cézanne entwickelte.

Seit damals wurde auch eine Menge zweitrangiger Kunst hergestellt, die allgemeine Beachtung erhielt. Wenn man Bilder, die seit 1950 gemalt wurden, mit der Kunst der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vergleicht, sieht man den Unterschied zwischen der großen Kunst der früheren Periode und der oberflächlichen, oft sogar nur noch ironischen Kunst der späteren Periode. Die Kunst der jüngsten Zeit bleibt natürlich interessant und die Künstler sind kreativ. Aber wenn man in einen bedeutungsvollen Prozess eingebunden sein will, muss man zu der grundlegenden Auffassung der Moderne zurückkehren oder zumindest auf ihrer Grundlage weiterarbeiten.

Jeder Künstler arbeitet im Zusammenhang eines weltweiten Kunstgeschehens. Deshalb sind nicht nur die bildenden Künste, sondern alle Kunstformen der Rahmen, in dem ich meine Werke schaffe. Es ist im Prinzip der Rahmen der Weltkunst von Cézanne bis etwa 1950, also der Bereich von Kunst, der über „Sichtweise“ hinausgeht. In meiner Kunst gehe ich aus den philosophischen und spirituellen Gründen über „Sichtweise“ hinaus, die ich in meinen Büchern dargelegt habe. Aber ich sehe dieses Prinzip auch in der Tradition der Moderne als eine revolutionäre Form des Bildschaffens am Werk.

In meiner künstlerischer Arbeit führe ich den Ansatz der Moderne weiter, der auf der Freiheit beruht, uneingeschränkt alle Mittel einzusetzen, sowohl die natürlichen oder „äußeren“ als auch die subjektiven oder „inneren“, und damit über alle Methoden und Stilrichtungen hinauszugehen, die auf einer festgelegten „Sichtweise“ aufbauen. Die Moderne war daher eine völlig neue Form von Bildschaffen – frei, aber nicht einfach nur chaotisch. In diesem Sinne ist die Kunst, die ich mache, eine Weiterführung der Arbeit Cézannes, der Kubisten und anderer Künstler, die zur frühen Moderne gehören.

Die Erfindung der Kamera und der Fotografie hat mit dazu beigetragen, dass diese neue Art des Bildschaffens entstehen konnte. Die Fotografie machte es möglich, mühelos die genaue Ähnlichkeit zu erzeugen, um die die Künstler sich in ihren Zeichnungen und Gemälden bemüht hatten. Die Künstler mussten daher ihr eigenes Schaffen überprüfen und entwickelten dabei eine neue Art, Bilder herzustellen. Das Erscheinen der Fotografie hat daher viel mit der Bildkunst der Moderne zu tun.

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