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ADI DA SAMRAJ:
DAS REALE ALS TRANSZENDENTAL

von Peter Frank

Adi Da Samrajs künstlerische Sensibilität lässt sich als modern (oder vielleicht neo-modern) bezeichnen; seine Experimente mit der Form – mit der dramatischen Verzerrung und strukturierten Reorganisation der wahrgenommenen Realität – nehmen die Methoden und Techniken wieder auf, die vor 50 bis 100 Jahren in der damaligen Avantgarde üblich waren. Aber wie die modernen Künstler, die er zum Ausgangspunkt nimmt, hat Adi Da entschieden seine eigene Stimme gefunden und entwickelt. Die Tradition, die er kultiviert, ist eine Tradition des Neuen.

Von 2000 bis 2006 hat Adi Da Samraj an umfänglichen „Suites“ (Bild-Serien) gearbeitet, in denen er ausgewählte fotografische Bilder zu digitalen Kunstwerken ausgearbeitet hat. Die Spectra Suites sind das jüngste Werk, in dem Adi Da fotografische Bilder einsetzt. Sie wurde Anfang letzten Jahres geschaffen und enthält nicht nur zahllose Variationen über verschiedene Themen und Kompositionen, sondern ist in eine Anzahl von kleineren Serien eingeteilt, die alle ihre eigene Thematik und Bildhaftigkeit haben. Verschiedene Untergruppen werden oft von Leitmotiven durchzogen, und Figuren und Gegenstände sind so verändert und zusammengefügt, dass sie stark ins Blickfeld rücken und ein manchmal allegorisches, manchmal ritualistisches Spiel entfalten

Während Adi Da an den Spectra Suites arbeitete, begann er Formen völlig ohne Kamera zu produzieren, indem er spezielle Bild-Programme des Computers benutzte. Bald trat die Arbeit „in der Kamera“ an die Stelle der Arbeit mit der Kamera, und Adi Da Samrajs Bildschaffen rückte immer näher an seine Vorgänger in der modernen Malerei heran. Tatsächlich entwickelte er in kurzer Zeit ein sehr genaues formales Vokabular. Er vereinfachte seine Figuren zu Kreisen (oder Kreissegmenten) und zu Quadraten und Dreiecken – der formalen Dreiheit, aus der sich die grundlegende Sprache der modernen Abstraktion herleitet. Dieses drei-gestaltige Vokabular ist die formale Grundlage, auf der Adi Da seit dem letzten Jahr seine riesigen und ständig wachsenden Geome Suites aufbaut.

Die Geome-Sequenzen begannen mit Alberti’s Window I (aus Geome One), dem anspruchsvollsten Kunstwerk, das Adi Da Samraj bisher konzipiert und ausgeführt hat. Alberti’s Window I, groß wie eine Wandmalerei, folgt dem Ablauf von zwei verschiedenen Zeiteinheiten zu gleicher Zeit, dem Ablauf des Tages und dem Ablauf der Woche. Und damit gibt die Serie in all ihrer raffinierten Geometrie eigentlich die Beobachtung der realen Welt wieder. Mehrere weitere Geome-Serien sind Alberti’s Window unmittelbar gefolgt, die sich alle jeweils um ein besonderes formales und/oder metaphorisches Thema drehen. Die verschiedenen Sequenzen von Geome Two und Geome Three benutzen noch einfachere formale Vokabulare, aus denen sich vielfältige, abwechselnd schlichte und unglaublich dichte Strukturen herleiten, während in Geome Four Cézannes Dreiheit auf die Realisierung eines rhythmisch komplexeren Sichtfeldes angewandt wird. In die Oculus-Bilder bringt Adi Da auch wieder Figuren ein und verlässt sich auf die vorherrschende Geometrie, um die archetypische Natur der Figuren zu verdeutlichen, nämlich die vier Ebenen, auf denen die Frau (als Liebende, als Braut, als Frau und als Witwe) zur Familie und Gesellschaft in Beziehung steht.

Auszug aus “Adi Da Samraj: The Real As Transcendental“ veröffentlicht im Ausstellungskatalog Transcendental Realism: The Art of Adi Da Samraj, © 2007 Peter Frank

 

Biografie von Peter Frank

Peter Frank ist Kurator am Riverside Art Museum in Kalifornien, Kunstkritiker für die Zeitschriften Angeleno und L.A. Weekly sowie früherer Herausgeber der Vierteljahresschrift Visions. In seinem Geburtsort New York hat er als Kunstkritiker für die Zeitschriften The Village Voice und The SoHo Weekly News gearbeitet. Neben Monografien und Katalogen hat er Beiträge zu vielen Publikationen geschrieben und viele Sonderausstellungen organisiert, darunter für das Riverside Art Museum die Ausstellung Driven to Abstraction: Southern California and the Non-Objective World, 1950 – 1988, für das Museo Reina Sofia in Madrid die Ausstellung Fluxus Film and Video; für Artists' Space in New York die Ausstellung Young Fluxus, für das Otis/Parsons Art Institute in Los Angeles die Ausstellung Visual Poetry und 1981 im Guggenheim Museum in New York die nationale Exxon-Ausstellung 19 Artists – Emergent Americans. Sun & Moon Press brachte 1982 seinen Gedichtzyklus The Travelogues heraus, McPherson & Co.‑Documentext 1983 sein Buch Something Else Press: An Annotated Bibliography und Abbeville Press 1987 sein Werk New, Used & Improved, einen Überblick über die Kunstszene von New York, den er zusammen mit Michael McKenzie verfasst hat. Peter Frank ist Kokurator der Ausstellung Transcendental Realism: The Art of Adi Da Samraj.

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