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KURATORIUMSERKLÄRUNG

von Achille Bonito Oliva

Adi Da Samraj hat eine neue Methode entwickelt, Geometrie für eine unkonventionelle Form von ästhetischer Kommunikation einzusetzen. Er liebt es besonders, den Betrachter mit asymmetrischen Anordnungen zu überraschen und in seinem Fühlen zu berühren. Damit widerspricht er nicht den Prinzipien ästhetischer Gestaltung. Überraschung und Fühlen verstärken diese Prinzipien vielmehr dadurch, dass diese „figurative“ Geometrie pragmatisch und frei von allen vorgefassten Ideen benutzt wird.

Es ist kein Zufall, dass der Künstler ständig zwischen zweidimensionalen Bildern und dreidimensionalen Formen, zwischen Schwarz-Weiß und Vielfarbigkeit hin- und herpendelt. Egal, ob zweidimensional oder dreidimensional, die gesamte Form weist nicht auf eine abstrakte, sondern auf eine greifbare Realität hin, die vor dem staunend-beglückten Blick des Betrachters aufblitzt. Die Möglichkeit asymmetrischer Entfaltung ist im ursprünglichen Konzept des Werks schon enthalten. Diese Asymmetrie ist ein integraler Bestandteil der modernen Kunst, der die Natur der uns umgebenden Welt widerspiegelt, die voll von unerwarteten, überraschenden Vorgängen ist. . . .

Die klassische Qualität von Adi Da Samraj liegt in seiner Bereitschaft, die intelligente Möglichkeit aufzugreifen, die dem Leben von Natur aus innewohnt und das Potenzial des Universums ist. Die Kunst wird zum Ort, an dem der Künstler diese Prinzipien formalisiert und in sein Werk eingliedert, das von einer Geometrie durchdrungen ist, die mit der Asymmetrie spielt, um eine nicht statische, sondern dynamische Wirkung zu erzeugen. Der Künstler schafft immer ganze Familien von Werken, die von Grundmustern stammen, die sich vervielfältigen lassen, um weitere Formen hervorzubringen, die zwar verschieden sind, aber sich gegenseitig ergänzen.

Der Begriff der Gestaltung erhält eine neue Bedeutung, indem das Kunstwerk nicht mehr in einem einzigen Moment mit arroganter Genauigkeit gestaltet wird. Die Gestaltung ist vielmehr offen für viele verschiedene Realisierungen, wenngleich gesteuert durch eine Methode, die durch konkrete Anwendung und kreative Impulse definiert wird.

Wir haben hier digitale Bilder vor uns, Figuren, Würfel, Pyramiden und andere mit dem Computer hergestellte geometrische Formen, die das figurative Element unserer Zeit einfangen, in der die Technologie alle Form entmaterialisiert und abstrahiert. Die Kunst hingegen tendiert dazu, Form zu manifestieren, Geometrie zu materialisieren. Die zwei- und dreidimensionalen Formen von Adi Da Samraj sind immer konkrete kommunikative Realitäten. Sie sind immer Aussagen einer geistigen Ordnung, die nie ausschließend oder in sich gekehrt ist, sondern immer neu und unvorhersehbar hervorbricht. In jedem Werk brechen neue Formen hervor und vervielfältigen sich plötzlich in Ausläufern, die die Möglichkeit einer neuen geometrischen Erotik enthüllen. Die Formen von Adi Da besitzen alle eine am Menschen gemessene Monumentalität, die weit entfernt ist von der aggressiven Rhetorik der Skulptur. Der Künstler legt es also nicht darauf an, konventionellen „Krieg“ gegen reale Formen zu führen. Er wünscht vielmehr einen Kommunikationsrahmen für Analyse und Synthese zu schaffen – eine Analyse, die aus der Möglichkeit entspringt, ganze Familien von Formen entstehen zu lassen, und eine Synthese, die aus der grazilen Kraft entspringt, die den Werken vor unseren Augen entströmt.

© Copyright 2007 Achille Bonito Oliva


Biografie von Bonito Oliva

Achille Bonito Oliva ist ein international bekannter italienischer Kunstkritiker und Kunsthistoriker. Er ist Autor von Essays über den Manierismus, die Avantgarde und die Neo-Avantgarde sowie Mitbegründer der Kunstbewegung Transavanguardia. Er hat thematische und interdisziplinäre Ausstellungen in Italien und anderen Ländern geleitet, unter anderem die Ausstellungen Contemporanea, Aperto 80, Avanguardia transavanguardia, Arte e depressione und Minimalia, vor allem aber die 39. und 45. Biennale von Venedig. Er ist Professor für zeitgenössische Kunstgeschichte an der Universität La Sapienza in Rom. Es wurden ihm zahlreiche Preise und Auszeichnungen verliehen, darunter 1991 der internationale Valentino d'Oro-Preis für Kunstkritik. In diesem Jahr 2007 leitet Achille Bonito Oliva die Ausstellung Transcendental Realism: The Art Of Adi Da Samraj in der 52. Biennale.

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